Vortragsreihe

Diverses. Neue Forschungen zur Geschlechtergeschichte

Die Vortragsreihe stellt jüngere Forschungsprojekte und aktuelle Themenfelder der zeitgeschichtlichen Geschlechterforschung vor. Die Vorträge befassen sich mit Frauen- und Frauenbewegungsgeschichte(n), mit Männlichkeiten und mit Konzepten von Paarbeziehung und Familie.

Die Vortragsreihe findet auch im Rahmen des Allgemeinen Vorlesungswesen der Universität Hamburg statt. Wir bedanken uns bei dem "Förderkreis des Kontaktstudiums für ältere Erwachsene der Universität Hamburg" für die Unterstützung.

Veranstaltungsort
FZH, Vortragsraum, Beim Schlump 83, 20144 Hamburg
Eintritt frei.

Donnerstag, 10.10.2019, 18.30 Uhr
Imke Schmincke (München):
„Das Private bleibt politisch!“ (Körper)Politik im Wandel von der zweiten zur dritten Welle des Feminismus

Für die zweite Frauenbewegung waren die Themen Körper und Sexualität zentral, sie politisierte diese und machte sie dadurch zum Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung. Stand am Anfang vor allem der Kampf gegen den § 218 auf der Tagesordnung, ging es bald allgemeiner um Fragen von Gesundheit, Gewalt und sexueller Selbstbestimmung. Auch fast 50 Jahre später bieten diese Themen weiterhin Anlass für feministischen Protest, wie sich zuletzt an der Twitter Kampagne #metoo oder der Debatte um eine Reform des § 219a zeigte. Trotz dieser Ähnlichkeiten lassen sich doch auch große Unterschiede zwischen den verschiedenen Phasen feministischer Mobilisierung feststellen. Der Vortrag stellt daher die Frage nach dem Wandel des Feminismus in den Mittelpunkt und erläutert die Bedeutung von Körperpolitik, Öffentlichkeit/Privatheit und Medialität für feministischen Protest der zweiten und der dritten Welle des Feminismus.

Moderation: Kirsten Heinsohn (Hamburg)

Donnerstag, 7.11.2019, 18.30 Uhr
Hannah Rentschler (Hamburg): „…ob wir nicht alle Feministinnen sind.“ Die Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenorganisationen 1966–1986

Frauenverbände haben in Deutschland eine lange Tradition, doch über ihre Geschichte in der frühen Bundesrepublik und während der Zeit der Neuen Frauenbewegung ist wenig bekannt. Sie erscheinen im frauenpolitischen Spektrum kaum bedeutend oder einflussreich. Die Arbeitsgemeinschaft Hamburger Frauenorganisationen (ahf) ist jedoch bereits seit den 1950er Jahren die größte Frauenlobby Hamburgs, wurde staatlich gefördert und war besonders in den 1970er/80er Jahren öffentlich sehr präsent. Der Vortrag behandelt die Arbeit und das Selbstverständnis der ahf sowie die Wechselwirkungen mit autonomen Fraueninitiativen. Wie ging die ahf mit Positionen der Neuen Frauenbewegung um? Wie legitimierte sie ihre Tätigkeit, wie stellte sie sich in der Öffentlichkeit dar? Das Beispiel der ahf eröffnet einen differenzierten Blick auf die frauenpolitische Geschichte Hamburgs und der Bundesrepublik.

Moderation: Linde Apel (Hamburg)

Donnerstag, 23.1.2020, 18.30 Uhr
Jürgen Martschukat (Erfurt): Männlichkeit, Macht und Hegemonie in der jüngsten Zeitgeschichte der USA

Achtung neuer Termin! Der Vortrag findet NICHT am 16.1.2020 statt.

Identitätsfragen haben derzeit politische Konjunktur. Seit den siebziger Jahren ist Identitätspolitik ein Instrument sozialer Bewegungen, um Ansprüche marginalisierter Gruppen auf gesellschaftliche und politische Partizipation durchzusetzen. Aktuell aber wird Identitätspolitik vermehrt von weißen Männern gekapert. Allerorten behaupten sie ein Recht auf einen Platz im gesellschaftlichen Zentrum und begründen dies über Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht etc. Der Vortrag wird die Instrumentarien einer kritischen Geschlechtergeschichte vorstellen: Insbesondere Intersektionalität und der Begriff der hegemonialen Männlichkeit sind hilfreich, um die aktuellen identitäts- und machtpolitischen Kämpfe am Beispiel der USA historisierend zu analysieren.

Moderation: Knud Andresen (Hamburg)

Donnerstag, 30.1.2020, 18.30 Uhr
Jens Elberfeld (Halle): Selbstverwirklichung in der Beziehung? Zur Therapeutisierung von Ehe und Familie seit den späten 1960er Jahren

Dass sich Geschlechterrollen und Beziehungsleitbilder seit den 1960er Jahren nicht nur in Westdeutschland verändert haben, ist heute ein Gemeinplatz zeithistorischer Forschung. Wie dieser Wandel aber zu erklären und vor allem wie er zu bewerten ist, bleibt umstritten. Im Vortrag wird die These vertreten, dass die rasant zunehmende Verbreitung von Psychowissen eine wichtige Rolle für den Wandel spielte. Mit Blick auf Paar- und Familientherapie wird gezeigt, wie deren Konzepte und Methoden darauf abzielten, sich von starren Rollenzuschreibungen und hierarchischen Beziehungsmustern zu lösen. Stattdessen wurden Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen vermittelt, die individuelle Autonomie innerhalb einer flexiblen, auf Aushandlung basierenden Partnerschaft ermöglichen sollten. Verkürzt wäre es, dies einfach als Liberalisierung und Demokratisierung zu verstehen. Vielmehr waren damit neue Normen verknüpft, wie die Aufforderung zur steten Arbeit an sich selbst bzw. an der Beziehung.

Moderation: Yvonne Robel (Hamburg)

Die Veranstaltungen sind eingeschränkt barrierefrei. Ein Rollstuhlzugang ist vorhanden, bitte melden Sie sich vorher bei uns an: Tel. 040/431397-0 oder per Mail: fzh@zeitgeschichte-hamburg.de
Während einzelner Veranstaltungen werden von uns Fotoaufnahmen zu Zwecken der Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit gemacht.
 

Zurück