Die Geschichte der FZH


Das historische Gedächtnis der Stadt
:

Von der Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg zur Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg

Die heutige „Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg“ (FZH) blickt auf eine über 50jährige eigene Geschichte zurück. Ein Vorläuferinstitut zur Erforschung der Geschichte Hamburgs von 1933 bis 1945 war auf Beschluss der hamburgischen Bürgerschaft bereits 1949 gegründet worden, hatte aber in den 1950er Jahren keine größeren Aktivitäten entfaltet. 1960 erfolgte die Neugründung als „Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg“. Die Schändung der Kölner Synagoge und Hunderte von antisemitischen Nachfolgetaten – viele auch in Hamburg –  bewegten damals die Öffentlichkeit. Eine bessere Aufklärung über das NS-Regime schien dringend erforderlich zu sein. Die Hamburgische Bürgerschaft gliederte die neue Forschungsstelle zunächst der Schulbehörde, ein Jahrzehnt später der Behörde für Wissenschaft und Forschung ein.

Unter ihrem ersten Direktor, dem Historiker Werner Jochmann, der das Institut bis 1986 leiten sollte, wurden die Erforschung der Ursprünge des modernen Antisemitismus und Rassismus seit der Zeit des Kaiserreichs und der antidemokratischen Traditionen der politischen Rechten, der Deutschnationalen und Völkischen der 1920er Jahre, zum ersten Markenkern der Einrichtung. Wichtige Dokumentationen – etwa zur ersten Rede Hitlers in der Hansestadt oder zu den Stationen der Machtergreifung in Hamburg – wurden herausgegeben.

Die Forschungsstelle entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem leistungsstarken zeitgeschichtlichen Institut mit internationalem Renommee und erweiterte schrittweise ihr thematisches Spektrum. Noch im Lauf der 1960er Jahre rückte mit zahlreichen Veröffentlichungen die Sozialgeschichte der Arbeiterbewegung in den Fokus. Unter Jochmanns Nachfolgern Detlev Peukert und Ulrich Herbert fand Ende der 1980er Jahre verstärkt die neue Alltagsgeschichte Berücksichtigung. Die seither bestehende „Werkstatt der Erinnerung“ begann mit der systematischen Anfertigung von Iebensgeschichtlichen Interviews mit ehemals verfolgten jüdischen Hamburgerinnen und Hamburgern und anderen Opfern der NS-Gewaltherrschaft.

Seit den 1990er Jahren erlebte das Institut eine dynamische Expansion seiner Forschungen, die zwar weiterhin auf den Nationalsozialismus bezogen blieben, etwa mit der viel beachteten Edition der Diensttagebücher Heinrich Himmlers, Studien über hochrangige SS-Akteure und über die hamburgische Gesellschaft im Zweiten Weltkrieg. Zugleich wurde es immer deutlicher, dass der Name des Instituts und sein Status als Teil einer Behörde nicht mehr in die Wissenschaftslandschaft passten. Viele Projekte galten nun auch der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, und das Institut vernetzte sich zunehmend mit anderen Zentren der Zeitgeschichtsforschung.

1997 wurde unter Arnold Sywottek daher aus der Behördenabteilung eine Stiftung privaten Rechts, der Name lautet seither „Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg“. Ein international besetzter Wissenschaftlicher Beirat begleitet die Tätigkeit des Instituts, ein Kuratorium unter Leitung des jeweiligen Präses der Behörde für Wissenschaft und Forschung fungiert als Aufsichtsgremium. Seit 2000 ist die Forschungsstelle über einen Kooperationsvertrag mit der Universität Hamburg verbunden und wird seit 2002 von Axel Schildt geleitet.

Das Forschungsspektrum hat sich seither ständig verbreitert: Forschungsprojekte über Medien, Jugendkultur, Migration, die suburbanen Regionen um Hamburg und zahlreiche andere, nicht zuletzt kulturhistorische Themen, sind in den letzten Jahren erfolgreich bearbeitet worden. Zugleich wurde die Forschung über den Nationalsozialismus nicht eingeschränkt. 2005 erschien eine mittlerweile als Standardwerk geltende Zwischenbilanz unter dem Titel „Hamburg im Dritten Reich“. Insgesamt haben sich die publizistischen Aktivitäten – vor allem in den drei Buchreihen des Instituts –,  beträchtlich ausgeweitet.

Zahlreiche durch Drittmittel finanzierte Forschungsprojekte, die Bibliothek mit derzeit ca. 92.000 Bänden, ein umfangreiches Archiv zur Zeitgeschichte Hamburgs und die in Deutschland einmalige Sammlung vollständig transkribierter und digitalisierter lebensgeschichtlicher Interviews in der „Werkstatt der Erinnerung“ sowie öffentliche Vortragsveranstaltungen, Tagungen und Lehrveranstaltungen an der Universität Hamburg zeigen die heutige wissenschaftliche Leistungsstärke der Forschungsstelle. Daneben fungiert sie auch als vielgefragte Service-Einrichtung für auswärtige Historikerinnen und Historiker, Studierende, Medien und für die interessierte Öffentlichkeit.


Mehrere ausführliche Beiträge zur Geschichte der FZH bis 2002 enthält die Zeitschrift „Auskunft. Mitteilungsblatt Hamburger Bibliotheken“, Bd. 22 (2002), Heft 3. Seit 2003 veröffentlicht die FZH jährlich einen Bericht über ihre Tätigkeit. Diese Berichte finden sich hier...