Vortragsreihe

1968 – to be continued…
 
Veranstaltungsorte:
FZH, Vortragsraum, Beim Schlump 83, 20144 Hamburg
Letzter Termin, Körber Forum, Kehrwieder 12, 20457 Hamburg
Eintritt frei
 
2018 jährt sich „1968“ zum fünfzigsten Mal. Die große Mehrheit assoziiert damit wohl bestimmte Bilder, wie das des erschossenen Benno Ohnesorgs, des Reden haltenden Rudi Dutschke oder der unbekleideten Mitglieder der Kommune I. Doch können die vielfältigen Ereignisse und (auch globalen) Entwicklungen, die heute für „1968“ stehen, nicht auf einige Bilder und Parolen reduziert werden. Die Veranstaltungen der Reihe behandeln Ereignisse sowie soziale und politische Transformationsprozesse, die mit der Chiffre „1968“ in Verbindung gebracht werden, und ihre Deutungen. Dabei werden auch Ereignisse und Akteure in den Blick genommen, die bisher weniger mit „1968“ in Zusammenhang gestellt wurden. Ziel ist, nicht nur die Ereignisse zu historisieren, die heute für „1968“ stehen, sondern auch über Erinnerungen und Wirkungen in den folgenden Jahrzehnten nachzudenken und damit allzu eingängigen Narrativen über Erfolge oder Scheitern von „1968“ abgewogenere Deutungen entgegenzusetzen.
 
Donnerstag, 19.4.2018, 18.30 Uhr
Detlef Siegfried (Kopenhagen): Konjunkturen von „1968". Mediale Bewertungen und Selbstthematisierungen ehemaliger Akteure
 
Hat „1968“ eine „Fundamentalliberalisierung“ (Jürgen Habermas) der Bundesrepublik bewirkt oder im Grunde nur den Totalitarismus der Naziväter reproduziert? Die Deutungen dieses historischen Ereignisbündels könnten gegensätzlicher nicht sein. Sie veränderten sich im Laufe der mittlerweile 50 Jahre, die seitdem vergangen sind, ohne an Polarisierungskraft zu verlieren. Wer sich selbst als „68er“ bezeichnete, ob die Medien ein positives oder negatives Bild von „1968“ zeichneten – das hatte immer auch mit dem jeweiligen historischen Kontext zu tun. So wollten auf dem Höhepunkt der neuen sozialen Bewegungen in den 1980er Jahren viele „68er“ gewesen sein, während ihre Zahl nach dem Zusammenbruch des Kommunismus rapide abnahm. Was sagt es über die politische Kultur der Gegenwart aus, wenn heute selbst ehemalige „68er“ sich als rote Nazis betrachten und prominente Politiker von AfD und CSU ihren angeblich dominierenden Einfluss auf die öffentliche Meinung überwinden wollen?
Moderation: Linde Apel (Hamburg)
 
Donnerstag, 3.5.2018, 18.30 Uhr
Linde Apel (Hamburg): Jenseits von 1968. Politische Mobilisierung im Schwarzen Jahrzehnt.
 
Auf dem Höhepunkt der studentischen Proteste, die heute das Phänomen „1968“ symbolisieren, bot die Junge Union im wohlhabenden Hamburger Bezirk Groß-Flottbek eine gut besuchte Veranstaltungsreihe zum Thema Marxismus-Leninismus an. 1971 mobilisierte sie ihr Umfeld in Bergedorf mit einem Plakat, auf dem Mao Zedong abgebildet war. Diese lokalen Beispiele ließen sich fortführen. Sie illustrieren zum einen, dass die Mobilisierungs- und Politisierungsprozesse in den 1960er und 1970er Jahren auch das christdemokratisch-konservative Spektrum erfassten, zum anderen veranschaulichen sie, dass dies im kollektiven Gedächtnis quasi nicht vorhanden ist. Im Vortrag soll die Zuspitzung der Jahre von 1967 bis 1977 auf ein rotes Jahrzehnt erweitert werden. Dazu wird das dominante Deutungsmuster von der roten Dekade anhand von Hamburger und überregionalen Bespielen mit dem Ziel hinterfragt, inwieweit der Ausdruck Schwarzes Jahrzehnt nicht ebenso legitim wäre.
Moderation: Yvonne Robel (Hamburg)
 
Donnerstag, 17.5.2018, 18.30 Uhr
Jan-Henrik Friedrichs (Hildesheim): Zuviel des Guten? Die „sexuelle Revolution“ und die Pädophiliedebatte der 1970er und 1980er Jahre
 
Neben „Vietnam“ und dem „Muff unter den Talaren“ gehört die „sexuelle Revolution“ zu den Kernaspekten der Erinnerung an „1968“. Auch wenn die politischen Folgen von „1968“ umstritten bleiben, so ist man sich über die mit ihr einhergehenden sozio-kulturellen Umwälzungen weitgehend einig. Nur in der Bewertung zeigen sich Unterschiede: während die einen die „Befreiung der Sexualität“ als Indikator für eine überfällig gewesene gesellschaftliche Liberalisierung feiern, sehen andere in ihr den Beginn einer verantwortungslosen und grenzüberschreitenden „Sexualisierung“. Gerade die Debatte um eine mögliche Legalisierung pädosexueller Handlungen (nicht nur) bei den Grünen, verweise auf die problematischen Folgen der sexuellen Liberalisierung und von „1968“ überhaupt – „die Revolution missbraucht ihre Kinder“ (Christian Füller). Warum beide Sichtweisen verkürzt sind und welche Folgen „1968“ tatsächlich für Konzepte und Praxen erwachsener und kindlicher Sexualität hatte, soll im Vortrag erörtert werden.
Moderation: Moritz Liebeknecht (Hamburg)
 
Donnerstag, 7.6.2018, 18.30 Uhr
Sabine Mecking (Duisburg): Protest und neue Protestkultur nach „1968“
 
Veränderungen in den Lebensweisen und der politischen Kultur, die mit „1968“ als Chiffre für eine längerfristige Umbruchphase beschrieben werden, traten in den 1970er Jahren offen zutage. Von einer „kulturellen Revolution“ oder „sozialen Bewegung“ ist die Rede. Im Blick der Forschung waren bisher jedoch vor allem die Ereignisse, die unübersehbare Veränderungen im politischen und sozialen Gefüge markierten, etwa die Studentenunruhen oder auch der Terrorismus der 1970er Jahre. Aber wie verhielt es sich jenseits dieser Protestmilieus? Welche Wege und Formen suchten bürgerliche Kreise nach 1968 zur Mitsprache und politischen Teilhabe? Artikulierten diese Gruppen ihre gesellschaftliche Unzufriedenheit und ihren Protest auch in neuen Formen? Sabine Mecking spricht über den Einfluss der 68er-Bewegung auf verschiedene Bürgerinitiativen und fragt, welche Breitenwirkung in die Gesellschaft in neuen Protestkulturen zu messen ist.
Moderation: Knud Andresen (Hamburg)
 
Dienstag, 26.6.2018 19.00 Uhr
KörberForum, Kehrwieder 12, 20457 Hamburg
50 Jahre ’68: Scheitern eines Glückversprechens? Podiumsdiskussion
Die Demokratisierung und der Abbau autoritärer Strukturen in Staat und Gesellschaft – was ist von den »Glücksversprechen« der 68er-Bewegung geblieben? Ist die Idee nach umfassender Partizipation heute verbraucht angesichts des Aufschwungs autoritärer Bewegungen? Wofür steht die Chiffre „68“ heute? 2018 jährt sich „1968“ zum fünfzigsten Mal. Die Schriftstellerin Barbara Sichtermann, der Historiker Per Leo und der Rechts- und Politikwissenschaftler Ulrich Klaus Preuß sprechen über die einstigen Ideen von „68“ und die aktuelle Krise der Demokratie.
Moderation: Kirsten Heinsohn (Hamburg)
 
Anmeldung nur für diese Veranstaltung bitte ab dem 12.6. bei der Körber Stiftung

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