Wissenschaftliche
Einrichtung
an der Universität Hamburg |
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Forschungsprojekte
Dr. Knud Andresen
- Jugendliche Erfahrungsräume und
gewerkschaftliche Organisierung
Dr. Linde Apel
- Linke und rechte Politisierung
Dr. Frank Bajohr
- Erik Blumenfeld
Christiane
Berth - Hamburg und die außereuropäischen
Kaffee-Welten
Prof. Dr. Ursula
Büttner - Die gesellschaftliche Wiedereingliederung
der Verfolgten
Dr. Wiebke
Kolbe - Schlachtfeldreisen. Tourismus
und Gedenken seit dem Zweiten Weltkrieg
Sylvia Necker
- "Das Büro Gutschow"
Monika Sigmund
- "Kaffee in beiden deutschen Nachkriegsstaaten"
Joachim Szodrzynski
- Literatur der Not - Not der Literatur
Dr. Malte Thießen
- Zeitzeugen des "Hamburger Feuersturms"
und ihre Familien
Prof. Dr. Dorothee
Wierling - Kolonialwarenhandel in Hamburg
im Wandel des 20. Jahrhunderts
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Bearbeiter: Dr. Knud Andresen (E-mail)
Jugendliche Erfahrungsräume und
gewerkschaftliche Organisierung.
Jugendkulturelle Einflüsse auf eine gewerkschaftliche Jugendorganisation
am Beispiel der IG Metall-Jugend vom Ende der 1960er bis Ende
der 1980er Jahre
Im Projekt wird das Spannungsfeld
von Jugendkultur und gewerkschaftlicher Organisierung für
die 1970er und 1980er Jahre anhand der Jugendorganisation der
größten Einzelgewerkschaft, der IG Metall, analysiert.
Gewerkschaften stehen in einer konfliktreichen Dynamik zwischen
bürokratischer Institution und sozialer Bewegung und waren
besonders für politisierte linke Jugendkulturen in den 1970er
und 1980er Jahren attraktiv. Anhand des Einflusses der Jugend
in den gewerkschaftlichen Gremien und Gruppen kann nachvollzogen
werden, ob und wie jugendkulturelle Elemente integriert oder
ausgegrenzt wurden. Die Jugendorganisation der IG Metall war
aufgrund ihrer hohen Mitgliederzahl - rund 300.000 - 400.000
Mitglieder im Untersuchungszeitraum - und vielfältiger kultureller
Praktiken eine bedeutsame Schnittstelle zwischen Jugendkulturen
und gewerkschaftlicher Organisation, in der sich Auseinandersetzungen
um jugendliche Stilpräferenzen und Wertvorstellungen widerspiegeln.
Der Einfluss jugendlicher Wertenormen und -vorstellungen auf
die gesellschaftliche Entwicklung wird so erfasst. Dabei steht
die Frage im Vordergrund, welche Wirkung der Wertewandel mit
kultureller Liberalisierung und Pluralisierung der Lebensstile
auf das jugendliche Arbeitnehmermilieu hatte. Indem nicht jugendkulturelle
Trendsetter, sondern Jugendliche in der Arbeitswelt im Zentrum
stehen, wird eine Schieflage der historischen Jugendforschung
behoben. Das Projekt verbindet sozial-, politik- und kulturgeschichtliche
Elemente.
Das Projekt läuft seit dem 1. März 2008.
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Bearbeiterin:
Dr. Linde Apel (E-mail)
Linke und rechte Politisierung
Die Hamburger Schülerbewegung der 1960er und 70er Jahre
Das Projekt zielt
auf eine Rekonstruktion der politischen Orientierung und Organisierung
unter Schülerinnen und Schülern an Gymnasien und den
Gründen ihrer Politisierung in den 60er und 70er Jahren
in Hamburg. Im Allgemeinen werden mit der Schülerbewegung
lediglich linke und antiautoritäre Schülerinnen und
Schüler im Gefolge der Außerparlamentarischen Opposition
und der Studentenbewegung assoziiert. Dass es aber neben dem
"Nachwuchs für die Rebellion" auch an der Jungen
Union orientierte, politisch aktive Schüler gab, ist heute
weitgehend in Vergessenheit geraten. Daher soll die Geschichte
der Schüler-Union, die u.a. als Reaktion auf die als hegemonial
wahrgenommenen linken Schüler entstand, hier aufgearbeitet
werden.
Titelblatt der Schülerzeitung
"Hertzbuben"
der Heinrich-Hertz-Schule, September 1969
Am Beispiel einiger
Hamburger Schulen wird die äußerst vielfältige
und zugleich schnelllebige politische Landschaft unter der Schülerschaft
in ihren Facetten nach gezeichnet. Neben schriftlichen Quellen
unterschiedlicher Provenienz werden zur Rekonstruktion der subjektiven
Dimension sowie zur Annäherung an Erfahrungen und Wahrnehmung
der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrerschaft,
von Mitarbeitern der Schulbehörde und parteipolitisch mit
Schülern befassten Personen lebensgeschichtliche Interviews
geführt. Kernzeitraum der Untersuchung sind die Jahre 1967
bis 1977.
Titelblatt der "Entscheidung",
Magazin
der Jungen Union Deutschlands, April 1973
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Bearbeiter: Dr.
Frank Bajohr
(E-mail)
Erik Blumenfeld (1915-1997)
Die Erkundung
des Lebensweges von Erik Blumenfeld, als Sohn eines angesehenen
jüdischen Kaufmanns und einer dänischen Gutsbesitzertochter
in die Hamburger Gesellschaft hineingeboren, nach 1933 verfolgt
und wegen "Wehrkraftzersetzung" in den Konzentrationslagern
Auschwitz und Buchenwald inhaftiert, gilt einem Unternehmer und
wichtigsten hamburgischen CDU-Politiker der Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg, der sich vor allem als Außenpolitiker und Motor
der deutsch-amerikanischen und deutsch-israelischen Beziehungen
profilierte. Als Teil des Gesamtprojektes "Hamburgische
Eliten im 20. Jahrhundert" richtet sich der Fokus des Projektes
Blumenfeld insbesondere auf die In- und Exklusionsprozesse städtischer
Eliten, die sozialen Netzwerke der deutschen und internationalen
Politik, den gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit
nach 1945 und das Spannungsfeld zwischen klassischer Honoratioren-Politik
und gesellschaftlich-partizipatorischem Aufbruch in den 1960er
Jahren.
Das Projekt befindet sich in der Phase der Quellenerschließung.
Bislang wurde eine umfassende Pressedokumentation über Blumenfeld
mit Hunderten Artikeln erstellt sowie eine Sammlung seiner sämtlichen
Reden in der Hamburgischen Bürgerschaft, dem Deutschen Bundestag
und dem Europäischen Parlament zusammengetragen.
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Bearbeiterin:
Christiane Berth (E-mail)
Hamburg und die außereuropäischen
Kaffee-Welten
Das Beispiel Zentralamerika
Kaffee ist nach Erdöl zweitwichtigster
Handelsrohstoff der Welt und für viele Menschen unverzichtbarer
Bestandteil des Alltags. Kaffee ist gleichzeitig ein Produkt,
das im Verlaufe seiner Geschichte verschiedene Weltregionen verband
und für viele lateinamerikanische Staaten zum wichtigsten
Exportprodukt wurde. Wie kaum eine andere Branche war die Kaffeebranche
international sehr stark vernetzt. Das Projekt thematisiert die
durch den Kaffeehandel entstandenen außereuropäische
Bezüge und globalen Netzwerke zwischen Norddeutschland und
Zentralamerika.
Kaffee-Ernte in Costa
Rica
Die Region Zentralamerika hat
im internationalen Kaffeehandel eine besondere Bedeutung durch
die Produktion von "gewaschenem Kaffee", d.h. Kaffee,
der nass aufbereitet wird und so ein besonderes Aroma gewinnt.
Dadurch schufen sich die zentralamerikanischen Staaten ein kleines
aber bedeutendes Marksegment im Bereich der Qualitätskaffees.
Eine wichtige Rolle bei der Etablierung der Handelsverbindungen
spielten norddeutsche Überseekaufleute, v.a. aus Hamburg
und Bremen, sowie deutsche Einwanderer in Zentralamerika.
Eine Finca in Tres Ríos
Als Fallbeispiele werden die
Länder Guatemala, Costa Rica und die Kaffeeanbauregion Soconusco
im Süden Mexikos herangezogen. Besonders ein Vergleich der
Situation in Costa Rica und Guatemala erscheint sehr spannend,
waren doch politische Rahmenbedingungen, Arbeitsverhältnisse
im Kaffeeanbau und der Charakter der deutschen Einwanderung sehr
unterschiedlich. Zeitlicher Schwerpunkt des Projekt sind die
Jahre von 1920 bis 1955; eine Periode vieler gesellschaftlicher
Umbrüche, die die internationalen Handelsnetzwerke entscheidend
veränderten. Analysiert werden u.a. die Folgen der Weltwirtschaftskrise,
die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges
sowie die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen in der Nachkriegszeit.
Daneben verfolgt das Projekt einen biographischen Ansatz, d.h.
es werden die Lebens- und Familiengeschichten der Kaffee-Akteure
vor dem Hintergrund der jeweiligen internationalen und regionalen
politischen Ereignisse analysiert.
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Bearbeiterin:
Dr.
Monika Bloss (E-mail)
Afroamerikanische Musik
in Deutschland von 1945 bis 1990.
Mediale Vermittlung und kultureller Gebrauch.
Afroamerikanische
Musik hat die Entwicklung populärer Musikkulturen seit über
einhundert Jahren nachhaltig beeinflusst. Selbst ein Phänomen
transkultureller Prozesse, prägte afroamerikanische Musik
nahezu weltweit immer wieder die kulturellen Praktiken junger
Generationen und bewirkte markante musikalische Innovationen.
Das Projekt widmet sich grundlegenden Einflüssen dieser
Musik in Deutschland zwischen 1945 und 1990 und untersucht symptomatische
Tendenzen von kultureller, sozialer und ideengeschichtlicher
Relevanz. Mit exemplarischen Studien zur medialen Verbreitung
und politisch-kulturellen Vermittlung speziell von Free Jazz
und Soul in den 1960er und 1970er Jahren wird den ästhetischen
Codierungen und ideologischen Einflüssen im kulturellen
Alltag beider deutscher Staaten nachgegangen. Ein vergleichender
Blick in die 1980er-Dekade, vor allem auf die von HipHop und
Rap getragenen Transfer- und Transformationsprozesse, analysiert
weiterreichende Veränderungen des Amerikabildes in Deutschland
und soll zur Debatte über Globalisierung und kulturelle
Identität beitragen.
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Bearbeiterin:
Prof.
Dr. Ursula Büttner (E-mail)
Die gesellschaftliche
Wiedereingliederung der Verfolgten
Der Umgang
von Briten und Deutschen mit den Opfern des
Nationalsozialismus, 1945 bis 1953
Nach dem Ende des "Dritten Reiches" und des Weltkrieges
waren viele Menschengruppen wieder in die deutsche Gesellschaft
zu integrieren: Soldaten, Kriegsgefangene, Ausgebombte, Vertriebene,
Flüchtlinge und Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.
Der Umgang mit dieser letzten Gruppe, deren Schicksal nach 1945
bisher nur unter dem Aspekt der Wiedergutmachung Beachtung gefunden
hat, soll in dem Projekt untersucht werden. Dabei geht es sowohl
um die Vorgaben und die Politik der britischen Besatzungsmacht
im Kontext ihrer internationalen Interessen als auch um die Entscheidungen
der deutschen Verantwortlichen in Regierungen, Parlamenten und
Behörden sowie um die Haltung wichtiger gesellschaftlicher
Institutionen und Organisationen zu den ehemaligen Verfolgten.
Darüber hinaus sollen Leistungen und Versäumnisse bei
der Wiedereingliederung der Verfolgten auch aus deren Perspektive
betrachtet werden.
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Bearbeiterin:
Dr.
Wiebke Kolbe
(E-mail)
Schlachtfeldreisen.
Tourismus und Gedenken seit dem Zweiten Weltkrieg
Jedes Jahr reisen
weltweit Tausende von Menschen zu den Schlachtfeldern des Zweiten
Weltkriegs, um die Orte des damaligen Kriegsgeschehens zu besichtigen
oder Soldatengräber zu besuchen. Wer sind diese Reisenden
und aus welchen Motiven reisen sie an ehemalige Kriegsschauplätze?
Wie werden sie dabei unterstützt: durch Reiseführer,
durch Reiseanbieter sowie durch eine entsprechende Infrastruktur
vor Ort? Diesen Fragen geht das Forschungsprojekt in zweifach
historischer Perspektive exemplarisch für Schlachtfeldreisen
in Europa nach. Zum einen untersucht es Schlachtfeldreisen als
historisches Phänomen in seinen unterschiedlichen Dimensionen,
fragt danach, wie sie sich von der unmittelbaren Nachkriegszeit
bis heute entwickelt und verändert haben, und konzentriert
sich dabei auf die Akteure und ihre Praktiken. Zum anderen geht
es um den heutigen Umgang mit, den Gebrauch und die Funktion(alisierung)
von Geschichte bei Schlachtfeldreisen und an den Orten ehemaligen
Kriegsgeschehens. Fluchtpunkt des Projekts ist die Frage nach
dem historischen Wandel der individuellen, kollektiven und gesellschaftlichen
Funktionen von Reisen an Kriegsschauplätze des Zweiten Weltkriegs.
Die beiden zentralen Deutungsmuster, in deren Kontext Schlachtfeldreisen
analysiert werden, sind Tourismus und Gedenken. Das Projekt besteht
aus mehreren Fallstudien mit unterschiedlichen Perspektiven und
Schwerpunkten: Einmal stehen Reiseanbieter im Zentrum, dann die
Reisenden und schließlich die besuchten Orte.
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Bearbeiterin:
Sylvia Necker (E-mail)
"Das Büro
Gutschow".
Das Selbstverständnis deutscher Architekten im 20. Jahrhundert
am Beispiel des Hamburger Architekturbüros von Konstanty
Gutschow. Eine Professionsgeschichte.
(Dissertationsprojekt
- gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius)
Das Projekt wird
seit 1.7.2007 durch ein Doktorandenstipendium der ZEIT-Stiftung
Ebelin und Gerd Bucerius gefördert. Es verknüpft die
Geschichte des Städtebaus in Hamburg sowie in Deutschland
mit der Geschichte des Büro Gutschow und nimmt
damit ein Fallbeispiel in den Blick, an dem die Entwicklung des
Selbstverständnisses deutscher und europäischer Architekten
nachgezeichnet werden kann. Die Untersuchung ist in der modernen
Stadtforschung verortet und operiert zwischen den Disziplinen
Architekturgeschichte, Kunstgeschichte und Zeitgeschichte.
Der interdisziplinäre
Ansatz legt den Fokus auf das Hamburger Architekturbüro
von Konstanty Gutschow, der seit 1939 als Architekt für
die Führerstadt-Planungen eingesetzt war, und
der sein Büro in den 1930er und 1940er Jahren zu einem bedeutenden
Zusammenschluss aus Experten aller Bereiche der Architektur,
der Stadt- und Landschaftsplanung formierte. Exemplarisch können
am Büro Gutschow Brüche und Kontinuitäten
eines solchen Denkkollektivs, stadtplanerisches Ordnungsdenken
wie auch das Selbstverständnis des vermeintlich unpolitischen
Berufs Architekt aufgezeigt werden.
Die Ideen und
Vorstellungen der Architekten des Büro Gutschow
allen voran Konstanty Gutschows selbst liegen in
Denkschriften, Dokumentationen, Planungs- und Bildmaterial vor.
Sie werden in diesem Projekt innerhalb der Leitthemen des 20.
Jahrhunderts analysiert: das Projekt der Moderne, ihre Ordnungskonzepte,
das Verhältnis von Stadt und Natur und die Geschichte der
Terrorregime im 20. Jahrhundert bilden insofern die analytischen
Eckpfeiler. Die Tatsache, dass das Büro Gutschow
über die Zäsuren von 1933 und 1945 hinweg existierte
und arbeitete, bietet darüber hinaus eine hervorragende
Grundlage für die Darstellung biographischer und professionsgeschichtlicher
Kontinuitäten und Brüche.
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Bearbeiterin:
Monika
Sigmund
(E-mail)
"Kaffee in beiden
deutschen Nachkriegsstaaten: Konsum, Diskurs, Deutung und Beziehungen"
Kaffee ist ein
Genussmittel mit hohem Symbolwert, das mit besonderen Erwartungen
verknüpft wurde und wird. In Ost- wie auch in Westdeutschland
waren mit dem Genuss oder der Erreichbarkeit der braunen Bohnen
Vorstellungen verbunden, die dem Getränk eine ganz besondere
Bedeutung in der gesellschaftlichen Mentalität verliehen.
Auch in der innerdeutschen Beziehungsgeschichte zeigt sich eine
hohe Symbolkraft: Kaffee als zentraler Inhalt der westdeutschen
Geschenksendungen in den Osten vermittelt deutlich den Eindruck
eines asymmetrischen Beziehungsgeflechtes, in dem sich die Motive
und Muster wechselseitiger Wahrnehmungen manifestieren.
Das Projekt Kaffee in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten'
will die sozialen ökonomischen und kulturellen Beziehungen
untersuchen, die sich über den Konsum von Kaffee zwischen
Ost- und Westdeutschland ergaben. Die Konzentration auf ein Genussmittel
in einer vergleichenden Längsschnittuntersuchung eignet
sich hervorragend als Indikator für Wertvorstellungen und
Wertewandel in den jeweiligen Staaten und in deren Beziehungsgeschichte.
Die Untersuchung soll Aufschluss geben über die sich verändernden
Konsumbedingungen, Konsumgewohnheiten und Konsumwünsche
sowie die damit verbundenen Deutungen, Eigen- und Fremdwahrnehmungen,
die Möglichkeiten sozialer Distinktion und die sich verändernden
Vorstellungen von Normalität und Wohlstand.
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Bearbeiter: Joachim
Szodrzynski
(E-mail)
Literatur der Not -
Not der Literatur
Soziale
Realität und dichterische Fiktion der Kriegs- und Nachkriegszeit
1943-1953, dargestellt an Hans Erich Nossack, Hermann Kasack,
Felix Hartlaub u.a.
Zentrales Anliegen
der Arbeit ist die Rekonstruktion der Lebensbedingungen und Bewusstseinslagen
einer Anzahl nicht nationalsozialistischer Intellektueller (Schriftsteller,
Journalisten, Lektoren, Verleger) in den letzten Kriegs- und
ersten Nachkriegsjahren.
Wie erlebten sie - im Kontrast zur Euphorie nach den Blitzkriegen
der Wehrmacht - die wachsende Depression der Zivilbevölkerung
im Luftkrieg? Wandelte sich ihr Denken und Schreiben während
des "Dritten Reiches"? Welche Bedeutung maßen
sie ihrem in der Regel selbstgewählten Dableiben in einem
gleichgeschalteten Kulturbetrieb bei, der sie allenfalls in irgendwelchen
Nischen duldete, ihre Wirkungsmöglichkeiten aber massiv
einschränkte? Wie gingen sie damit um, als sie - infolge
des verlorenen Krieges - unversehens ihre Selbstdefinition als
NS-Kritiker mit der von den Besatzungsmächten zugewiesenen
Rolle eines besiegten Deutschen (und damit Nationalsozialisten)
konfrontiert sahen? Welche persönlichen und (kultur-)politischen
Erwartungen hegten sie für die Nachkriegszeit und in welchem
Verhältnis standen sie zu denen, die nach Kriegsende durch
ihre tatsächliche Emigration einen höheren moralischen
Status beanspruchten als die Daheimgebliebenen?
In der "Literatur der Not" manifestierte sich der Anspruch
"innerer Emigranten", auch und gerade unter erschwerten
Bedingungen an humanen Werten und Normen festhalten und diese
über die NS-Zeit hinwegretten zu wollen.
Hieraus ergibt sich ein weiteres Anliegen der Arbeit, die Untersuchung
der "Not der Literatur". Indem sich die nicht nationalsozialistischen
Literaten keine geringere Aufgabe stellten als die Bewahrung
der Humanität angesichts des offenen Zivilisationsbruchs,
überfrachteten sie Literatur und Sprache mit Lasten, denen
diese kaum gewachsen waren. Jedenfalls ermöglichte der Rekurs
auf christliche oder fernöstliche Heilslehren ebenso wenig
eine "neue", gegen den Nationalsozialismus resistente
Sprache und Literatur wie das Ausweichen in historische Kulissen
und Kostüme oder die Flucht in die zeitlosen Konflikte griechischer
Mythologie. Andererseits hätte das Verstummen, der Rückzug
ins Schweigen das literarische Feld den überzeugten NS-Literaten
überlassen. Und immerhin wurde die "Sklavensprache"
literarischer Oppositioneller von einer bildungsbürgerlichen
Leserschaft, die es gelernt hatte, auch zwischen den Zeilen zu
lesen, durchaus verstanden und konnte der allgemeinen geistigen
Desorientierung und Isolation entgegenwirken.
Um dieses Spannungsverhältnis geht es: Inwieweit implizierte
Dableiben immer auch Mitmachen? Waren die propagierten Strategien
zur Rettung humaner Werte via Literatur überhaupt praktikabel
oder dienten sie unfreiwillig doch primär der Legitimation
des Regimes und der Selbstbeschwichtigung der in Deutschland
gebliebenen Literaten? Anhand der (literarischen) Tätigkeit
einer überschaubaren Anzahl von "Geistigen" sollen
die Ambivalenzen insbesondere des Bildungsbürgertums gegenüber
der NS-Herrschaft ausgeleuchtet, ihre Denk- und literarischen
Ver- und Bearbeitungsmuster offengelegt werden.
Die Arbeit stützt sich vor allem auf private Quellen, d.h.
auf Tagebücher, Briefe, Selbstverständigungstexte einzelner
Autoren, die ursprünglich nicht zur Veröffentlichung
bestimmt waren. Die Nachlässe (Nossack, Kasack, Hartlaub)
befinden sich in ihrer Mehrzahl im Deutschen Literaturarchiv
in Marbach am Neckar, mitunter auch in Privatarchiven (Hans H.
König, Wolfgang Kasack, Christoph Schmid). Im zweiten Teil
werden zusätzlich literarische Texte herangezogen, an denen
die Be- und Verarbeitung der Kriegs- und Nachkriegserfahrung
untersucht werden soll.
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Bearbeiter: Dr. Malte
Thießen
(E-mail)
Zeitzeugen des "Hamburger
Feuersturms" und ihre Familien.
Ein interdisziplinäres
Forschungsprojekt zur transgenerationalen Weitergabe von Kriegserfahrungen.
Der "Hamburger
Feuersturm" steht als Begriff für den schweren, sich
über mehrere Tage hinziehenden Luftangriff auf Hamburg im
Sommer 1943. Etwa 35.000 Menschen verloren dabei ihr Leben, als
tiefste Zäsur des 20. Jahrhunderts brannte sich der "Feuersturm"
in Hamburgs Stadtbild und -geschichte ein. Gleichwohl ist bislang
über die langfristigen Auswirkungen dieser Kriegserfahrung
sowohl in historischer Hinsicht als auch im Hinblick auf individuelle
und transgenerationale Folgen wenig bekannt.

Der "Feuersturm" in der Angriffsnacht vom 28.07.1943.
Foto vom Landesmedienzentrum Hamburg.
Mit einer Untersuchung
zu den Überlebenden des "Feuersturms" und den
nachfolgenden Generationen sollen die lebensgeschichtlichen Folgen
von Kriegsereignissen und ihre familiäre Weitergabe interdisziplinär
erforscht werden. Mit dieser Untersuchung können nicht nur
Kooperationsmöglichkeiten zwischen Historikern und Psychoanalytikern
erprobt sowie weiterführende Ansätze zur Gedächtnis-
und Tradierungsforschung entwickelt werden. Eine Erkundung des
Hamburger "Familiengedächtnisses" erscheint zudem
zum gegenwärtigen Zeitpunkt besonders geboten, da zumindest
die damals jungen Erwachsenen, Jugendlichen und Kinder noch leben.

Titelseite des Berichts eines Zeitzeugen, der den "Feuersturm"
als zwölfjähriger Junge erlebte.
Die Untersuchung
erfolgt in Zusammenarbeit von FZH und Psychoanalytikern des Universitätskrankenhauses
Eppendorf (UKE). In seinem zeitgeschichtlichen Teil wird das
Projekt seit Januar 2007 von der Gerda-Henkel-Stiftung mit einem
Post-Doc-Stipendium gefördert.
Weitere Hinweise
und erste Ergebnisse des Projekts bietet die Präsentation der Gerda Henkel Stiftung.
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Bearbeiterin:
Prof. Dr. Dorothee Wierling (E-mail)
Kolonialwarenhandel
in Hamburg im Wandel des 20. Jahrhunderts
Im Begriff der
"Kolonialwaren" verbinden sich Vorstellungen vom täglichem
Einkauf im nachbarschaftlichen Kolonialwarenladen und der Fernhandel
mit Kolonialwaren im engeren Sinne der aus den (ehemaligen) Kolonien
stammenden Nahrungsmitteln wie Kaffee, Südfrüchten
und Gewürzen. Das Projekt untersucht am Hamburger Fall die
ökonomischen, sozialen und politischen Beziehungen, die
sich aus dem Handel mit den Kolonialwaren auf den unterschiedlichen
Ebenen ergeben. Der Lebensmittel- und Kolonialwarenhandel hat
im Laufe des 20. Jahrhunderts starke Veränderungen durchlaufen,
die mit der Konzentration des Einzelhandels, seiner Verlagerung
aus dem städtischen Kern und dem Übergang zu großen
Verkaufsflächen mit Selbstbedienung verbunden sind, aber
auch mit dem Massenkonsum von Kolonialwaren und Prozessen der
Entkolonisierung. All diese Prozesse sollen auf ihre soziale
Bedeutung, auf ihre Folgen für verschiedene soziale Schichten
und für familiäre und städtische Lebensformen
in Hamburg untersucht werden.
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