Wissenschaftliche Einrichtung
an der Universität Hamburg

..Die FZH (Home)
·  Über die FZH
·  Personal
·  Kontakt & Wegweiser
· .Impressum
..Einrichtungen
·  Bibliothek
·  Werkstatt der Erinnerung
·  Archiv
..Aktivitäten
·  <> Forschung
·  Publikationen
·  Veranstaltungen
..Service
·  Links
·..Praktika

Forschungsprojekte


Dr. Knud Andresen - Jugendliche Erfahrungsräume und gewerkschaftliche Organisierung

Dr. Linde Apel - Linke und rechte Politisierung

Dr. Frank Bajohr - Erik Blumenfeld

Christiane Berth - Hamburg und die außereuropäischen Kaffee-Welten

Prof. Dr. Ursula Büttner - Die gesellschaftliche Wiedereingliederung der Verfolgten

Dr. Wiebke Kolbe - Schlachtfeldreisen. Tourismus und Gedenken seit dem Zweiten Weltkrieg

Sylvia Necker - "Das Büro Gutschow"

Monika Sigmund - "Kaffee in beiden deutschen Nachkriegsstaaten"

Joachim Szodrzynski - Literatur der Not - Not der Literatur

Dr. Malte Thießen - Zeitzeugen des "Hamburger Feuersturms" und ihre Familien

Prof. Dr. Dorothee Wierling - Kolonialwarenhandel in Hamburg im Wandel des 20. Jahrhunderts



Bearbeiter: Dr. Knud Andresen (E-mail)

Jugendliche Erfahrungsräume und gewerkschaftliche Organisierung.
Jugendkulturelle Einflüsse auf eine gewerkschaftliche Jugendorganisation am Beispiel der IG Metall-Jugend vom Ende der 1960er bis Ende der 1980er Jahre

Im Projekt wird das Spannungsfeld von Jugendkultur und gewerkschaftlicher Organisierung für die 1970er und 1980er Jahre anhand der Jugendorganisation der größten Einzelgewerkschaft, der IG Metall, analysiert. Gewerkschaften stehen in einer konfliktreichen Dynamik zwischen bürokratischer Institution und sozialer Bewegung und waren besonders für politisierte linke Jugendkulturen in den 1970er und 1980er Jahren attraktiv. Anhand des Einflusses der Jugend in den gewerkschaftlichen Gremien und Gruppen kann nachvollzogen werden, ob und wie jugendkulturelle Elemente integriert oder ausgegrenzt wurden. Die Jugendorganisation der IG Metall war aufgrund ihrer hohen Mitgliederzahl - rund 300.000 - 400.000 Mitglieder im Untersuchungszeitraum - und vielfältiger kultureller Praktiken eine bedeutsame Schnittstelle zwischen Jugendkulturen und gewerkschaftlicher Organisation, in der sich Auseinandersetzungen um jugendliche Stilpräferenzen und Wertvorstellungen widerspiegeln. Der Einfluss jugendlicher Wertenormen und -vorstellungen auf die gesellschaftliche Entwicklung wird so erfasst. Dabei steht die Frage im Vordergrund, welche Wirkung der Wertewandel mit kultureller Liberalisierung und Pluralisierung der Lebensstile auf das jugendliche Arbeitnehmermilieu hatte. Indem nicht jugendkulturelle Trendsetter, sondern Jugendliche in der Arbeitswelt im Zentrum stehen, wird eine Schieflage der historischen Jugendforschung behoben. Das Projekt verbindet sozial-, politik- und kulturgeschichtliche Elemente.
Das Projekt läuft seit dem 1. März 2008.

nach oben


Bearbeiterin: Dr. Linde Apel (E-mail)

Linke und rechte Politisierung
Die Hamburger Schülerbewegung der 1960er und 70er Jahre

Das Projekt zielt auf eine Rekonstruktion der politischen Orientierung und Organisierung unter Schülerinnen und Schülern an Gymnasien und den Gründen ihrer Politisierung in den 60er und 70er Jahren in Hamburg. Im Allgemeinen werden mit der Schülerbewegung lediglich linke und antiautoritäre Schülerinnen und Schüler im Gefolge der Außerparlamentarischen Opposition und der Studentenbewegung assoziiert. Dass es aber neben dem "Nachwuchs für die Rebellion" auch an der Jungen Union orientierte, politisch aktive Schüler gab, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Daher soll die Geschichte der Schüler-Union, die u.a. als Reaktion auf die als hegemonial wahrgenommenen linken Schüler entstand, hier aufgearbeitet werden.

Titelblatt der Schülerzeitung "Hertzbuben"
der Heinrich-Hertz-Schule, September 1969

Am Beispiel einiger Hamburger Schulen wird die äußerst vielfältige und zugleich schnelllebige politische Landschaft unter der Schülerschaft in ihren Facetten nach gezeichnet. Neben schriftlichen Quellen unterschiedlicher Provenienz werden zur Rekonstruktion der subjektiven Dimension sowie zur Annäherung an Erfahrungen und Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrerschaft, von Mitarbeitern der Schulbehörde und parteipolitisch mit Schülern befassten Personen lebensgeschichtliche Interviews geführt. Kernzeitraum der Untersuchung sind die Jahre 1967 bis 1977.

Titelblatt der "Entscheidung", Magazin
der Jungen Union Deutschlands, April 1973

nach oben


Bearbeiter: Dr. Frank Bajohr (E-mail)

Erik Blumenfeld (1915-1997)

Die Erkundung des Lebensweges von Erik Blumenfeld, als Sohn eines angesehenen jüdischen Kaufmanns und einer dänischen Gutsbesitzertochter in die Hamburger Gesellschaft hineingeboren, nach 1933 verfolgt und wegen "Wehrkraftzersetzung" in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald inhaftiert, gilt einem Unternehmer und wichtigsten hamburgischen CDU-Politiker der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, der sich vor allem als Außenpolitiker und Motor der deutsch-amerikanischen und deutsch-israelischen Beziehungen profilierte. Als Teil des Gesamtprojektes "Hamburgische Eliten im 20. Jahrhundert" richtet sich der Fokus des Projektes Blumenfeld insbesondere auf die In- und Exklusionsprozesse städtischer Eliten, die sozialen Netzwerke der deutschen und internationalen Politik, den gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit nach 1945 und das Spannungsfeld zwischen klassischer Honoratioren-Politik und gesellschaftlich-partizipatorischem Aufbruch in den 1960er Jahren.
Das Projekt befindet sich in der Phase der Quellenerschließung. Bislang wurde eine umfassende Pressedokumentation über Blumenfeld mit Hunderten Artikeln erstellt sowie eine Sammlung seiner sämtlichen Reden in der Hamburgischen Bürgerschaft, dem Deutschen Bundestag und dem Europäischen Parlament zusammengetragen.

nach oben 


Bearbeiterin: Christiane Berth (E-mail)

Hamburg und die außereuropäischen Kaffee-Welten
Das Beispiel Zentralamerika

Kaffee ist nach Erdöl zweitwichtigster Handelsrohstoff der Welt und für viele Menschen unverzichtbarer Bestandteil des Alltags. Kaffee ist gleichzeitig ein Produkt, das im Verlaufe seiner Geschichte verschiedene Weltregionen verband und für viele lateinamerikanische Staaten zum wichtigsten Exportprodukt wurde. Wie kaum eine andere Branche war die Kaffeebranche international sehr stark vernetzt. Das Projekt thematisiert die durch den Kaffeehandel entstandenen außereuropäische Bezüge und globalen Netzwerke zwischen Norddeutschland und Zentralamerika.

Kaffee-Ernte in Costa Rica

Die Region Zentralamerika hat im internationalen Kaffeehandel eine besondere Bedeutung durch die Produktion von "gewaschenem Kaffee", d.h. Kaffee, der nass aufbereitet wird und so ein besonderes Aroma gewinnt. Dadurch schufen sich die zentralamerikanischen Staaten ein kleines aber bedeutendes Marksegment im Bereich der Qualitätskaffees. Eine wichtige Rolle bei der Etablierung der Handelsverbindungen spielten norddeutsche Überseekaufleute, v.a. aus Hamburg und Bremen, sowie deutsche Einwanderer in Zentralamerika.


Eine Finca in Tres Ríos

Als Fallbeispiele werden die Länder Guatemala, Costa Rica und die Kaffeeanbauregion Soconusco im Süden Mexikos herangezogen. Besonders ein Vergleich der Situation in Costa Rica und Guatemala erscheint sehr spannend, waren doch politische Rahmenbedingungen, Arbeitsverhältnisse im Kaffeeanbau und der Charakter der deutschen Einwanderung sehr unterschiedlich. Zeitlicher Schwerpunkt des Projekt sind die Jahre von 1920 bis 1955; eine Periode vieler gesellschaftlicher Umbrüche, die die internationalen Handelsnetzwerke entscheidend veränderten. Analysiert werden u.a. die Folgen der Weltwirtschaftskrise, die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges sowie die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen in der Nachkriegszeit. Daneben verfolgt das Projekt einen biographischen Ansatz, d.h. es werden die Lebens- und Familiengeschichten der Kaffee-Akteure vor dem Hintergrund der jeweiligen internationalen und regionalen politischen Ereignisse analysiert.

nach oben


Bearbeiterin: Dr. Monika Bloss (E-mail)

Afroamerikanische Musik in Deutschland von 1945 bis 1990.
Mediale Vermittlung und kultureller Gebrauch.  

Afroamerikanische Musik hat die Entwicklung populärer Musikkulturen seit über einhundert Jahren nachhaltig beeinflusst. Selbst ein Phänomen transkultureller Prozesse, prägte afroamerikanische Musik nahezu weltweit immer wieder die kulturellen Praktiken junger Generationen und bewirkte markante musikalische Innovationen. Das Projekt widmet sich grundlegenden Einflüssen dieser Musik in Deutschland zwischen 1945 und 1990 und untersucht symptomatische Tendenzen von kultureller, sozialer und ideengeschichtlicher Relevanz. Mit exemplarischen Studien zur medialen Verbreitung und politisch-kulturellen Vermittlung speziell von Free Jazz und Soul in den 1960er und 1970er Jahren wird den ästhetischen Codierungen und ideologischen Einflüssen im kulturellen Alltag beider deutscher Staaten nachgegangen. Ein vergleichender Blick in die 1980er-Dekade, vor allem auf die von HipHop und Rap getragenen Transfer- und Transformationsprozesse, analysiert weiterreichende Veränderungen des Amerikabildes in Deutschland und soll zur Debatte über Globalisierung und kulturelle Identität beitragen.

nach oben


Bearbeiterin: Prof. Dr. Ursula Büttner (E-mail)

Die gesellschaftliche Wiedereingliederung der Verfolgten
Der Umgang von Briten und Deutschen mit den Opfern des
Nationalsozialismus, 1945 bis 1953

Nach dem Ende des "Dritten Reiches" und des Weltkrieges waren viele Menschengruppen wieder in die deutsche Gesellschaft zu integrieren: Soldaten, Kriegsgefangene, Ausgebombte, Vertriebene, Flüchtlinge und Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Der Umgang mit dieser letzten Gruppe, deren Schicksal nach 1945 bisher nur unter dem Aspekt der Wiedergutmachung Beachtung gefunden hat, soll in dem Projekt untersucht werden. Dabei geht es sowohl um die Vorgaben und die Politik der britischen Besatzungsmacht im Kontext ihrer internationalen Interessen als auch um die Entscheidungen der deutschen Verantwortlichen in Regierungen, Parlamenten und Behörden sowie um die Haltung wichtiger gesellschaftlicher Institutionen und Organisationen zu den ehemaligen Verfolgten. Darüber hinaus sollen Leistungen und Versäumnisse bei der Wiedereingliederung der Verfolgten auch aus deren Perspektive betrachtet werden.

nach oben


Bearbeiterin: Dr. Wiebke Kolbe (E-mail)

Schlachtfeldreisen. Tourismus und Gedenken seit dem Zweiten Weltkrieg

Jedes Jahr reisen weltweit Tausende von Menschen zu den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs, um die Orte des damaligen Kriegsgeschehens zu besichtigen oder Soldatengräber zu besuchen. Wer sind diese Reisenden und aus welchen Motiven reisen sie an ehemalige Kriegsschauplätze? Wie werden sie dabei unterstützt: durch Reiseführer, durch Reiseanbieter sowie durch eine entsprechende Infrastruktur vor Ort? Diesen Fragen geht das Forschungsprojekt in zweifach historischer Perspektive exemplarisch für Schlachtfeldreisen in Europa nach. Zum einen untersucht es Schlachtfeldreisen als historisches Phänomen in seinen unterschiedlichen Dimensionen, fragt danach, wie sie sich von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis heute entwickelt und verändert haben, und konzentriert sich dabei auf die Akteure und ihre Praktiken. Zum anderen geht es um den heutigen Umgang mit, den Gebrauch und die Funktion(alisierung) von Geschichte bei Schlachtfeldreisen und an den Orten ehemaligen Kriegsgeschehens. Fluchtpunkt des Projekts ist die Frage nach dem historischen Wandel der individuellen, kollektiven und gesellschaftlichen Funktionen von Reisen an Kriegsschauplätze des Zweiten Weltkriegs. Die beiden zentralen Deutungsmuster, in deren Kontext Schlachtfeldreisen analysiert werden, sind Tourismus und Gedenken. Das Projekt besteht aus mehreren Fallstudien mit unterschiedlichen Perspektiven und Schwerpunkten: Einmal stehen Reiseanbieter im Zentrum, dann die Reisenden und schließlich die besuchten Orte.

nach oben


Bearbeiterin: Sylvia Necker (E-mail)

"Das Büro Gutschow".
Das Selbstverständnis deutscher Architekten im 20. Jahrhundert am Beispiel des Hamburger Architekturbüros von Konstanty Gutschow. Eine Professionsgeschichte.

(Dissertationsprojekt - gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius)

Das Projekt wird seit 1.7.2007 durch ein Doktorandenstipendium der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius gefördert. Es verknüpft die Geschichte des Städtebaus in Hamburg sowie in Deutschland mit der Geschichte des „Büro Gutschow“ und nimmt damit ein Fallbeispiel in den Blick, an dem die Entwicklung des Selbstverständnisses deutscher und europäischer Architekten nachgezeichnet werden kann. Die Untersuchung ist in der modernen Stadtforschung verortet und operiert zwischen den Disziplinen Architekturgeschichte, Kunstgeschichte und Zeitgeschichte.

Der interdisziplinäre Ansatz legt den Fokus auf das Hamburger Architekturbüro von Konstanty Gutschow, der seit 1939 als Architekt für die „Führerstadt-Planungen“ eingesetzt war, und der sein Büro in den 1930er und 1940er Jahren zu einem bedeutenden Zusammenschluss aus Experten aller Bereiche der Architektur, der Stadt- und Landschaftsplanung formierte. Exemplarisch können am „Büro Gutschow“ Brüche und Kontinuitäten eines solchen „Denkkollektivs“, stadtplanerisches Ordnungsdenken wie auch das Selbstverständnis des vermeintlich unpolitischen Berufs Architekt aufgezeigt werden.

Die Ideen und Vorstellungen der Architekten des „Büro Gutschow“ – allen voran Konstanty Gutschows selbst – liegen in Denkschriften, Dokumentationen, Planungs- und Bildmaterial vor. Sie werden in diesem Projekt innerhalb der Leitthemen des 20. Jahrhunderts analysiert: das Projekt der Moderne, ihre Ordnungskonzepte, das Verhältnis von Stadt und Natur und die Geschichte der Terrorregime im 20. Jahrhundert bilden insofern die analytischen Eckpfeiler. Die Tatsache, dass das „Büro Gutschow“ über die Zäsuren von 1933 und 1945 hinweg existierte und arbeitete, bietet darüber hinaus eine hervorragende Grundlage für die Darstellung biographischer und professionsgeschichtlicher Kontinuitäten und Brüche.

nach oben


Bearbeiterin: Monika Sigmund (E-mail)

"Kaffee in beiden deutschen Nachkriegsstaaten: Konsum, Diskurs, Deutung und Beziehungen"

Kaffee ist ein Genussmittel mit hohem Symbolwert, das mit besonderen Erwartungen verknüpft wurde und wird. In Ost- wie auch in Westdeutschland waren mit dem Genuss oder der Erreichbarkeit der braunen Bohnen Vorstellungen verbunden, die dem Getränk eine ganz besondere Bedeutung in der gesellschaftlichen Mentalität verliehen. Auch in der innerdeutschen Beziehungsgeschichte zeigt sich eine hohe Symbolkraft: Kaffee als zentraler Inhalt der westdeutschen Geschenksendungen in den Osten vermittelt deutlich den Eindruck eines asymmetrischen Beziehungsgeflechtes, in dem sich die Motive und Muster wechselseitiger Wahrnehmungen manifestieren.
Das Projekt ‚Kaffee in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten' will die sozialen ökonomischen und kulturellen Beziehungen untersuchen, die sich über den Konsum von Kaffee zwischen Ost- und Westdeutschland ergaben. Die Konzentration auf ein Genussmittel in einer vergleichenden Längsschnittuntersuchung eignet sich hervorragend als Indikator für Wertvorstellungen und Wertewandel in den jeweiligen Staaten und in deren Beziehungsgeschichte. Die Untersuchung soll Aufschluss geben über die sich verändernden Konsumbedingungen, Konsumgewohnheiten und Konsumwünsche sowie die damit verbundenen Deutungen, Eigen- und Fremdwahrnehmungen, die Möglichkeiten sozialer Distinktion und die sich verändernden Vorstellungen von Normalität und Wohlstand.

nach oben


Bearbeiter: Joachim Szodrzynski (E-mail)

Literatur der Not - Not der Literatur
Soziale Realität und dichterische Fiktion der Kriegs- und Nachkriegszeit 1943-1953, dargestellt an Hans Erich Nossack, Hermann Kasack, Felix Hartlaub u.a.

Zentrales Anliegen der Arbeit ist die Rekonstruktion der Lebensbedingungen und Bewusstseinslagen einer Anzahl nicht nationalsozialistischer Intellektueller (Schriftsteller, Journalisten, Lektoren, Verleger) in den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren.
Wie erlebten sie - im Kontrast zur Euphorie nach den Blitzkriegen der Wehrmacht - die wachsende Depression der Zivilbevölkerung im Luftkrieg? Wandelte sich ihr Denken und Schreiben während des "Dritten Reiches"? Welche Bedeutung maßen sie ihrem in der Regel selbstgewählten Dableiben in einem gleichgeschalteten Kulturbetrieb bei, der sie allenfalls in irgendwelchen Nischen duldete, ihre Wirkungsmöglichkeiten aber massiv einschränkte? Wie gingen sie damit um, als sie - infolge des verlorenen Krieges - unversehens ihre Selbstdefinition als NS-Kritiker mit der von den Besatzungsmächten zugewiesenen Rolle eines besiegten Deutschen (und damit Nationalsozialisten) konfrontiert sahen? Welche persönlichen und (kultur-)politischen Erwartungen hegten sie für die Nachkriegszeit und in welchem Verhältnis standen sie zu denen, die nach Kriegsende durch ihre tatsächliche Emigration einen höheren moralischen Status beanspruchten als die Daheimgebliebenen?
In der "Literatur der Not" manifestierte sich der Anspruch "innerer Emigranten", auch und gerade unter erschwerten Bedingungen an humanen Werten und Normen festhalten und diese über die NS-Zeit hinwegretten zu wollen.
Hieraus ergibt sich ein weiteres Anliegen der Arbeit, die Untersuchung der "Not der Literatur". Indem sich die nicht nationalsozialistischen Literaten keine geringere Aufgabe stellten als die Bewahrung der Humanität angesichts des offenen Zivilisationsbruchs, überfrachteten sie Literatur und Sprache mit Lasten, denen diese kaum gewachsen waren. Jedenfalls ermöglichte der Rekurs auf christliche oder fernöstliche Heilslehren ebenso wenig eine "neue", gegen den Nationalsozialismus resistente Sprache und Literatur wie das Ausweichen in historische Kulissen und Kostüme oder die Flucht in die zeitlosen Konflikte griechischer Mythologie. Andererseits hätte das Verstummen, der Rückzug ins Schweigen das literarische Feld den überzeugten NS-Literaten überlassen. Und immerhin wurde die "Sklavensprache" literarischer Oppositioneller von einer bildungsbürgerlichen Leserschaft, die es gelernt hatte, auch zwischen den Zeilen zu lesen, durchaus verstanden und konnte der allgemeinen geistigen Desorientierung und Isolation entgegenwirken.
Um dieses Spannungsverhältnis geht es: Inwieweit implizierte Dableiben immer auch Mitmachen? Waren die propagierten Strategien zur Rettung humaner Werte via Literatur überhaupt praktikabel oder dienten sie unfreiwillig doch primär der Legitimation des Regimes und der Selbstbeschwichtigung der in Deutschland gebliebenen Literaten? Anhand der (literarischen) Tätigkeit einer überschaubaren Anzahl von "Geistigen" sollen die Ambivalenzen insbesondere des Bildungsbürgertums gegenüber der NS-Herrschaft ausgeleuchtet, ihre Denk- und literarischen Ver- und Bearbeitungsmuster offengelegt werden.
Die Arbeit stützt sich vor allem auf private Quellen, d.h. auf Tagebücher, Briefe, Selbstverständigungstexte einzelner Autoren, die ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren. Die Nachlässe (Nossack, Kasack, Hartlaub) befinden sich in ihrer Mehrzahl im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar, mitunter auch in Privatarchiven (Hans H. König, Wolfgang Kasack, Christoph Schmid). Im zweiten Teil werden zusätzlich literarische Texte herangezogen, an denen die Be- und Verarbeitung der Kriegs- und Nachkriegserfahrung untersucht werden soll.

nach oben


Bearbeiter: Dr. Malte Thießen (E-mail)

Zeitzeugen des "Hamburger Feuersturms" und ihre Familien.
Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur transgenerationalen Weitergabe von Kriegserfahrungen.

Der "Hamburger Feuersturm" steht als Begriff für den schweren, sich über mehrere Tage hinziehenden Luftangriff auf Hamburg im Sommer 1943. Etwa 35.000 Menschen verloren dabei ihr Leben, als tiefste Zäsur des 20. Jahrhunderts brannte sich der "Feuersturm" in Hamburgs Stadtbild und -geschichte ein. Gleichwohl ist bislang über die langfristigen Auswirkungen dieser Kriegserfahrung sowohl in historischer Hinsicht als auch im Hinblick auf individuelle und transgenerationale Folgen wenig bekannt.


Der "Feuersturm" in der Angriffsnacht vom 28.07.1943.
Foto vom Landesmedienzentrum Hamburg.

Mit einer Untersuchung zu den Überlebenden des "Feuersturms" und den nachfolgenden Generationen sollen die lebensgeschichtlichen Folgen von Kriegsereignissen und ihre familiäre Weitergabe interdisziplinär erforscht werden. Mit dieser Untersuchung können nicht nur Kooperationsmöglichkeiten zwischen Historikern und Psychoanalytikern erprobt sowie weiterführende Ansätze zur Gedächtnis- und Tradierungsforschung entwickelt werden. Eine Erkundung des Hamburger "Familiengedächtnisses" erscheint zudem zum gegenwärtigen Zeitpunkt besonders geboten, da zumindest die damals jungen Erwachsenen, Jugendlichen und Kinder noch leben.


Titelseite des Berichts eines Zeitzeugen, der den "Feuersturm"
als zwölfjähriger Junge erlebte.

Die Untersuchung erfolgt in Zusammenarbeit von FZH und Psychoanalytikern des Universitätskrankenhauses Eppendorf (UKE). In seinem zeitgeschichtlichen Teil wird das Projekt seit Januar 2007 von der Gerda-Henkel-Stiftung mit einem Post-Doc-Stipendium gefördert.

Weitere Hinweise und erste Ergebnisse des Projekts bietet die Präsentation der Gerda Henkel Stiftung.

nach oben


Bearbeiterin: Prof. Dr. Dorothee Wierling (E-mail)

Kolonialwarenhandel in Hamburg im Wandel des 20. Jahrhunderts

Im Begriff der "Kolonialwaren" verbinden sich Vorstellungen vom täglichem Einkauf im nachbarschaftlichen Kolonialwarenladen und der Fernhandel mit Kolonialwaren im engeren Sinne der aus den (ehemaligen) Kolonien stammenden Nahrungsmitteln wie Kaffee, Südfrüchten und Gewürzen. Das Projekt untersucht am Hamburger Fall die ökonomischen, sozialen und politischen Beziehungen, die sich aus dem Handel mit den Kolonialwaren auf den unterschiedlichen Ebenen ergeben. Der Lebensmittel- und Kolonialwarenhandel hat im Laufe des 20. Jahrhunderts starke Veränderungen durchlaufen, die mit der Konzentration des Einzelhandels, seiner Verlagerung aus dem städtischen Kern und dem Übergang zu großen Verkaufsflächen mit Selbstbedienung verbunden sind, aber auch mit dem Massenkonsum von Kolonialwaren und Prozessen der Entkolonisierung. All diese Prozesse sollen auf ihre soziale Bedeutung, auf ihre Folgen für verschiedene soziale Schichten und für familiäre und städtische Lebensformen in Hamburg untersucht werden.

nach oben

 

Home | über die FZH | Personal | Kontakt & Wegweiser | Impressum |
Bibliothek | Werkstatt der Erinnerung | Archiv | Forschung | Publikationen | Veranstaltungen | Links | Praktika