Tagung

Citizen Science in der Stadtgeschichte

Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), Beim Schlump 83, 20144 Hamburg

Die Tagung wird veranstaltet von der Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung (GSU) und der FZH

Da die Plätze für Teilnehmer*innen begrenzt sind, bitten wir um Anmeldung bis zum 20. Oktober 2022 bei Joana Betke (betke@zeitgeschichte-hamburg.de).

Unter dem Schlagwort „Citizen Science“ – oder „Bürgerwissenschaften“ – erlebt die Forderung, Bürger*innen in Forschungsprozesse einzubeziehen, derzeit eine neue Konjunktur. Aber auch die Ansprüche an Wissenschaftler*innen, ihre Erkenntnisse breitenwirksam zu vermitteln, sind gestiegen. Die Bundesregierung, die EU und viele Universitäten haben die „Bürgerwissenschaften“ zu einem wissenschaftspolitischen Leitbild erhoben. Dabei hat die Forschung von und mit Bürger*innen in der Stadtgeschichte eine lange Tradition. Sei es die Arbeit von Geschichtsvereinen und Geschichtswerkstätten oder die vielfältigen Projekte an Museen, Archiven oder anderen Kultureinrichtungen, sie alle beziehen Laien in die Erforschung der lokalen Geschichte ein und eröffnen Wissenschaftler*innen Möglichkeiten zum Wissenstransfer.

Die Ansätze der verschiedenen Projekte und Initiativen sind durchaus unterschiedlich – sowohl hinsichtlich ihrer Motive und Ziele als auch aufgrund der finanziellen, personellen wie institutionellen Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen. Unterschiedlich ist aber auch, wie weitreichend die Mitgestaltungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten von Laien sind, wer welchen Anteil am Forschungsprozess hat und was genau von den beteiligten Wissenschaftler*innen erwartet wird. „Citizen Science“ in der Stadtgeschichte ist also ein heterogenes, aber äußerst dynamisches Feld, das sich unter den aktuellen wissenschaftspolitischen Impulsen in den kommenden Jahren weiter entfalten wird.

Diese Tagung möchte verschiedene Akteur*innen zusammenbringen, die im Feld der Stadtgeschichte als oder mit Bürger*innen forschen, sich als Wissenschaftler*innen engagieren, Projekte leiten oder wissenspolitische Strategien entwickeln. Insbesondere möchte sie die unterschiedlichen Erwartungen und Möglichkeiten diskutieren, die mit dem Konzept der „Bürgerwissenschaften“ zur Erforschung der Stadtgeschichte verbunden werden. Das umfasst ausdrücklich Berichte aus der Praxis und Kritik an dem Konzept der „Citizens Science“ und dessen Nutzen für die Stadtgeschichtsforschung.

Programm

Donnerstag, 10. November

13.00 bis 14:00 Uhr Begrüßung und Einführung

Thomas Großbölting (FZH) / Christoph Bernhardt (IRS Erkner): Einführung
Sebastian Haumann (Universiteit Antwerpen): Citizen Science in der Stadtgeschichte. Umrisse eines (neuen) Praxisfeldes

14.00 bis 15.30 Uhr Citizen Science – ein Konzept für die Stadtgeschichte?

Katherin Wagenknecht (Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung): Citizen Science – Erklär mir deine Stadt?! Ein Blick auf Potentiale und Herausforderungen
Thorsten Logge (Universität Hamburg): Partizipative Historiographien? Über das Sammeln von Spuren, das Ermöglichen von Quellen und die Ko-Kreation historischer Darstellungen
René Smolarski (Universität Jena): Citizen Science. Eine methodische Perspektive für die historische Forschung? – Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis

16.00 bis 17.30 Uhr Praxis partizipativer Stadtgeschichtsprojekte

Christoph Lorke (LWL Institut für westfälische Regionalgeschichte) / Joana Gelhart (FZH): Stadtgeschichte als Mitmachgeschichte? Ein Werkstattbericht aus Gütersloh
Alexander Kraus (Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation Wolfsburg): Von der Konfrontation zur Partizipation. Der Weg zum Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg
Sabine Kittel (Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen): Das hieß doch früher VHS-Kurs oder Kirchenkreis! Die Umsetzung von Citizen Science-Projekten in Gelsenkirchen

19.00 Uhr Get-together und Abendessen

Freitag, 11. November

9.00 Uhr Impulsvortrag – digital –

Anne Overbeck (BMBF): Forschen mit der Gesellschaft, forschen für die Gesellschaft. Politische Instrumente zur Stärkung von Citizen Science in Deutschland

9.45 bis 11.15 Uhr Sammeln – Archivieren – Zugänglich machen

Rita Gudermann / Paul Perschke (IRS Citizen Archive): BürgerInnen erschließen Archivalien – CitizenScience-Ansätze im Archiv
Andrea Althaus (FZH): Sharing Authority? Überlegungen aus der „Werkstatt der Erinnerung“ zu Oral History und Partizipation
Joachim Kemper (Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg): Digitale Transformation im Archiv? Digitalladen, Stadtlabor und partizipative Projekte im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg

11.30 bis 12.30 Uhr Neue Impulse durch zivilgesellschaftliche Initiativen

Rainer Nicolaysen (Verein für Hamburgische Geschichte): Gegen den Trend. Wie sich der Verein für Hamburgische Geschichte von 1839 (zum Teil) neu erfunden hat
Tanja Mancheno (Universität Hamburg) / Florian Wagner (Universität Erfurt): Zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und Akademisierung. Stadtgeschichte aus postkolonialer Perspektive

12.30 bis 13.15 Ihr Abschlussdiskussion

Thomas Großbölting (FZH) / Christoph Bernhardt (IRS Erkner): Abschlusskommentar

Anschließend findet ab 14.00 Uhr die Mitgliederversammlung der GSU statt – hybrid –

Interessent*innen sind herzlich willkommen.

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