Archiv

Aktuelle Präsentation

"Reaktionen auf den Krieg". Vor 75 Jahren, vom 24. Juli bis 3. August 1943,
ereigneten sich die schwersten Bombenangriffe auf Hamburg während des Zweiten Weltkriegs. Aus diesem Anlass präsentiert die FZH eine Auswahl von Dokumenten
aus ihren Archiv- und Bibliotheksbeständen. Zu sehen sind die Fotos, Briefe, Tagebücher u.a. bis Mitte September im Bibliotheksflur im Erdgeschoss.
Ansprechpartnerin ist Kirsten Schaper, Leiterin des Archivs
 
Archivprofil

Die FZH führt ein umfangreiches Archiv, dessen Sammeltätigkeit mit den Forschungsschwerpunkten des Institutes korrespondiert. Es umfasst Bestände zur Sozial-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts in der Region Hamburg, darunter zur Geschichte des Nationalsozialismus, zur Aufarbeitung und Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts nach dem Zweiten Weltkrieg, zur Arbeiter- und Friedensbewegung, Parteien-, Gewerkschafts- und Jugendarbeit sowie in letzter Zeit auch zur Geschichte der Sexualität und Geschlechterforschung.

Seit Bestehen der 1960 gegründeten Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg wurde kontinuierlich ein Quellenfundus für die wissenschaftliche Arbeit zusammengetragen. Im Laufe der Jahre entstanden so nach sachthematischen Kriterien strukturierte Materialsammlungen aus Originaldokumenten, Abschriften und Kopien sowohl privater und institutioneller Herkunft, darunter auch aus Fremdarchiven, Pressedokumentationen, grauer Literatur und seltenen Publikationen. Sie sind folgenden Sachgruppen zugeordnet:

  • Staat I (Bevölkerungsstruktur, Wirtschaft, Finanzwesen, technische Infrastruktur, soziale Infrastruktur, Soziale Gruppen, Auswärtige Angelegenheiten, Militärwesen, Weltkriege); Gruppe 2
  • Staat II (Innenpolitik Deutsches Reich/Bundesrepublik/deutsche Länder, Justiz, Polizei, Verfolgung und Widerstand, Kultur, Erziehung und Wissenschaft, SBZ und DDR); Gruppe 3
  • Verbände; Gruppe 4
  • Arbeitnehmerorganisationen und Wirtschaftsverbände; Gruppe 5
  • Religionsgemeinschaften; Gruppe 6
  • Bürgerliche und rechte Parteien; Gruppe 7
  • Marxistische, sozialistische und linke Parteien; Gruppe 8
  • NSDAP; Gruppe 9

Die vermehrte Übernahme von Nachlässen, Nachlassfragmenten, Lebensberichten, Tagebüchern, Korrespondenzen und kleinerer Sammlungsbestände von Einzelpersonen führte zur Bildung einer weiteren Strukturgruppe, die in der Nummerierung an erster Stelle steht:

  • Nachlässe und Sammlungen; Gruppe 1

Das Archiv umfasst heute etwa 800 lfm. Schriftgut. Seine umfangreichsten Aktenbestände stammen von folgenden Parteien, Gewerkschaften und nichtstaatlichen Organisationen und Einrichtungen (mit Angabe der Laufzeit und Signatur):

  • DGB, Kreis Freie und Hansestadt Hamburg sowie Landesbezirk Nordmark, 1949 ff.; Gruppe 5
  • Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften (ZdK), 1911 - 1986; Signatur 18-6
  • SPD Hamburg, Kreise und Landesorganisation, 1945 ff.; Gruppe 8
  • Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen, 1945 - 1978; Signatur 18-1
  • Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten Hamburg (AvS) / Nachlass Albert Blankenfeld, 1930er – 1980er Jahre; Signatur 18-2
  • Verband der durch das NS-Regime geschädigten Wissenschaftler e.V. (VGW) / Nachlass Kurt Moeller, 1931 - 1990; Signatur 18-8
  • Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hamburg e.V. (GCJZ), 1951 - 1996; Signatur 18-4
  • Deutsche Friedensgesellschaft-Internationale der Kriegsdienstgegner e.V. (DFG-IdK), 1947 - 1991; Signatur 14-5
  • International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW), Sektion Deutschland; Signatur 16-3
  • Deutsches Jugendherbergswerk Landesverband Nordmark e.V. (DJH), 1913 - 2009; Signatur 14-4
  • Hamburger Jugendring (HJR), Landesjugendring Hamburg e.V. (LJR), 1948 - 1990er; Signatur 423
  • Gemeindepsychiatrisches Zentrum Eimsbüttel (GPZE), vor allem Gründungsgeschichte und Finanzen, 1973 - 2000; Signatur 16-6
  • Arbeitskreis Wohnraumversorgung (AKWo), 1988 - 2000; vorläufige Signatur ZV 2.2018
  • Beate Uhse A.G. Flensburg (Doppelbestand, umfasst auch privaten Teilnachlass), 1895 - 2005; Signatur 18-9

Daneben gibt es Mischbestände aus Geschäftsakten, Privatkorrespondenz, gesammelten Dokumenten Dritter, internen und publizierten Drucksachen, Bildmedien u.a., die oft auf private Initiativen zurückgehen, wie:

  • Archiv der KPD-Opposition / IVKO, 1929 ff.; Signatur 19-1
  • Hans-Schwarz-Archiv zur Geschichte der Konzentrationslager Dachau und Neuengamme, 1931 - 1978; Signatur 13
  • Arbeitsdienstarchiv zur Geschichte des Reichsarbeitsdienstes (RAD) in Hamburg und Norddeutschland, 1919 - 2006; Signatur 18-5
  • Sammlung Jugendzentrumsbewegung, deren regionaler Schwerpunkt auf dem östlichen Niedersachsen liegt, 1970 - 1988; Signatur 14-9
  • Verband des linken Buchhandels / Buchladen Osterstraße (v.a. Gründungsgeschichte), 1969 - 2006; Signatur 362-12

Der älteste übernommene Sammlungsbestand in der FZH, das Hans-Schwarz-Archiv, enthält auch die Dokumentation von Gertrud Meyer zu Verfolgung und Widerstand in Hamburg. Ende 2007 wurden diejenigen Unterlagen, die sich auf das Konzentrationslager Neuengamme beziehen, an das Archiv der dortigen Gedenkstätte abgegeben.

Das Spektrum der Sammlungstypen im FZH-Archiv umfasst weiterhin:

Zeitzeugenberichte:

  • Sammlung Zeitzeugenbörse Hamburg: Lebensberichte und Erlebnisschilderungen, die im Seniorenbüro "Schreiben und Lesen" entstanden sind, ca. 1930 - 1950; Signatur 11/Z1-3
  • Sammlung Feuersturm Hamburg: Lebenserinnerungen, die 2003 vom Hamburger Abendblatt gesammelt wurden, in der FZH erweitert; Signatur 292-81

Pressesammlungen:

  • Broschek-Briefkasten: sachthematisch gegliederte Sammlung von Presseausschnitten, Leser- und Expertenbriefen der „Briefkasten“-Redaktion des Hamburger Abendblatts, 1913 - 1973; Signatur 322
  • Broschek-Archiv: Sammlung von Presseausschnitten, Karten, Fotos zur deutschen Geschichte zwischen 1900 und 1955; Signatur 16-2
  • Sammlung Hoffmann: personenbezogene Sammlung von Presseausschnitten und Agenturmeldungen, die ursprünglich von dem Hitler-Fotografen Heinrich Hoffmann angelegt wurde, ca. 1920 - 1950; Signatur 12-3

Infosammlungen (v.a. Druckschriften, Broschüren, Zeitschriften):

  • Verein zur Förderung gleichgeschlechtlichen Lebens, 1928 - 1980; Signatur 17-9
  • Sammlung Berufsverbote, 1970 - 1981; Signatur 311-47

Sekundärüberlieferungen:

  • Sammlung Schulz: Quellensammlung (Abschriften, Kopien) für eine Arbeit zum Sozialistengesetz, die 1933 abgebrochen werden musste. Teile der von Alfred Schulz benutzten Originalquellen sind durch Kriegsschäden vernichtet, 1840 - 1938; Signatur 15-1

Die FZH hat in den vergangenen Jahren verstärkt Nachlassmaterialien von Personen gesammelt und archiviert, deren Namen weniger prominent, deren (subjektive) Zeugnisse jedoch für die zeit- und alltagsgeschichtliche Forschung von Bedeutung sind. Dazu zählen Tagebücher, retrospektive Erinnerungen, Briefkonvolute, Korrespondenzen und Lebensdokumente, die die Kriegs- und Nachkriegszeit betreffen, Familie, Versorgung, Lebensplanung, private Kontakte zwischen Ost- und Westdeutschland (Hamburg) und andere Themen.

Auch namhafte Nachlässe fanden Eingang in den Archivfundus, darunter von:

  • Günter Amendt (1939 - 2011); Signatur 11/A10
  • Familie Fraenkel-Jochimsen (drei Generationen, Mitte 19. Jh. - Ende 20. Jh.); Signatur 11/F26-36
  • Walter Funder (1893 - 1960); Signatur 11/F05-18
  • Walther von Hollander (1892 - 1973); Signatur 11/H50
  • Wolfgang Neckel (1926 - 2017); Signatur 17-6
  • Otto Piehl (1906 - 1999); Signatur 11/P11-24
  • Hans Robinsohn (1897 - 1981); Signatur 11/R1-3, 29-46
  • Alfred Roth (1879 - 1948); Signatur 11/R25
  • Beate Uhse (1919 - 2001) (Doppelbestand: Beate Uhse A.G. Flensburg und Teilnachlass privat); Signatur 18-9

Neben den genannten Schriftgutbeständen besitzt das FZH-Archiv mit Plakaten, Flugblättern, Fotos und audiovisuellen Medien auch andere Achivaliengattungen, die durch die Bildung neuer Sammlungsgruppen in Zukunft besser sichtbar und zugänglich gemacht werden sollen. Eine weitere zukünftige Aufgabe wird darin bestehen, das Institutsarchiv der FZH aufzubauen. In diesem Zusammenhang konnte im Jahr 2017 der bedeutende wissenschaftliche Nachlass Werner Jochmanns, des ersten Direktors der Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg, übernommen werden.

Archivnutzung

Das Archiv der FZH steht Studierenden, WissenschaftlerInnen und Privatpersonen für historische Forschungen offen.

Die meisten Bestände sind in einer internen Datenbank verzeichnet. Bei Beratungs- und Benutzungswünschen bitten wir um eine schriftliche Anfrage an , in der Sie Ihr Anliegen so konkret wie möglich darlegen.

Da das gesamte Archiv zur Zeit einer Revision unterzogen und die Archivdatenbank überarbeitet wird, kann es zu Verzögerungen im Ablauf kommen. Dafür bitten wir Sie um Verständnis.

Die bestellten Archivalien können im Lesesaal der FZH-Bibliothek eingesehen werden: Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr, Freitag von 9 bis 14 Uhr.

Gemäß unserer Benutzungsordnung sind gegebenenfalls Schutzfristen analog zum Hamburgischen Archivgesetz sowie bei Personenbeständen die speziellen Verfügungen der Materialgeber zu beachten.

Kontakt

Kirsten Schaper, Leitung des Archivs

Tel. 040 – 43 13 97 36

E-Mail:

Das Archiv der FZH steht im engen fachlichen Austausch mit anderen öffentlichen und nichtstaatlichen Archiven. Es beteiligt sich am Arbeitskreis Hamburger Archive sowie am Hamburger Überlieferungsverbund Nachlässe (HÜV-NL).

Stand: 6/2018